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ÖFKAD Führungsseminar 2026: Führen über Generationen hinweg

Im Rahmen der diesjährigen ÖFKAD Führungsseminarreihe wurde die Landesfeuerwehrschule Kärnten von 16. bis 17. April 2026 einmal mehr zum Ort des gemeinsamen Lernens, des Austauschs und der Weiterentwicklung. Mit dem Leitthema "Führen über Generationen hinweg" stand eine Fragestellung im Mittelpunkt, die aktueller kaum sein könnte. Rund 110 Führungskräfte aus sieben Landesfeuerwehrverbänden nutzten die Gelegenheit, um sich intensiv mit den unterschiedlichen Perspektiven innerhalb der Feuerwehren auseinanderzusetzen. Das alles mit dem Anspruch offen und ehrlich zu diskutieren und einem gemeinsamen Ziel, Führung zukunftsfit weiterzuentwickeln.

Bereits zur Eröffnung machten FVPräs Rudolf Robin und FPräs Robert Mayer deutlich, welche zentrale Rolle dieses Thema für die Zukunft des Feuerwehrwesens spielt. Unter der fachlichen Leitung von BFR Klaus Tschabuschnig und BFI Martin Kisser wurde ein Rahmen geschaffen, der bewusst nicht auf fertige Antworten setzte, sondern Raum für Reflexion, Austausch und neue Blickwinkel innerhalb dieses zweitägigen Seminars eröffnete.

Unterschiede verstehen und Gemeinsamkeiten stärken

Den inhaltlichen Einstieg gestaltete Martin Kisser mit seinem Vortrag zu generationenspezifischen Denk- und Handlungsmustern. Anschaulich und praxisnah zeigte er auf, wie unterschiedlich Generationen kommunizieren, lernen und geführt werden wollen. Gleichzeitig wurde deutlich: Wissen ist heute jederzeit verfügbar, echtes Verständnis entsteht jedoch nicht von selbst. Genau hier liegt eine der großen Herausforderungen für Führungskräfte im Feuerwehralltag.

In den anschließenden Gruppenarbeiten wurde dieses Bild weiter vertieft. Schnell zeigte sich, dass Konflikte weniger durch das Alter selbst entstehen, sondern vielmehr durch unterschiedliche Erwartungen an Verbindlichkeit, Kommunikation, Führung und Veränderung. Fragen nach Disziplin, Zuverlässigkeit oder Mitbestimmung werden je nach Generation unterschiedlich bewertet. Auch die Digitalisierung und neue Kommunikationsformen bringen zusätzliche Dynamik in bestehende Strukturen. Dort, wo Erwartungen nicht ausgesprochen werden, entstehen Missverständnisse. Diese Erkenntnis wurde von vielen Teilnehmer aus ihrem eigenen Alltag bestätigt.

Impulse aus Wirtschaft und Zukunftsforschung

Mit Mag.a Christiana Zenkl, HR-Leiterin von Infineon Technologies Austria, wurde bewusst eine Perspektive außerhalb des Feuerwehrwesens eingebracht. Ihre Einblicke aus der Wirtschaft zeigten klar: Erfolgreiche Zusammenarbeit über Generationen hinweg braucht vor allem transparente Kommunikation, gezielte Einbindung und einen wertschätzenden Umgang miteinander. Unterschiedliche Sichtweisen sind dabei keine Hürde, sondern eine Chance, wenn sie bewusst genutzt werden.

Einen weiteren wichtigen Impuls setzte Zukunftsforscher Klaus Kofler. Sein Blick nach vorne machte deutlich, dass Führung nicht nur auf aktuelle Herausforderungen reagieren darf, sondern Zukunft aktiv gestalten muss. Gerade im Feuerwehrwesen wird diese Zukunft bereits vielerorts gelebt, beispielsweise durch engagierte Nachwuchsarbeit, moderne Ausbildungskonzepte und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Technik und Organisation. Entscheidend ist jedoch, diese Ansätze konsequent und langfristig weiterzuführen.

Erfahrung bewahren und Zukunft sichern

Der zweite Seminartag stellte das Erfahrungswissen in den Mittelpunkt. BAss Thomas Brugger von der BF Innsbruck zeigte eindrucksvoll auf, welche zentrale Rolle Erfahrung im Feuerwehrdienst spielt. Entscheidungen im Einsatz basieren oft auf Intuition, Einschätzung und dem Rückgriff auf vergleichbare Situationen. Wissen entsteht oft über Jahre und ist eng mit den handelnden Personen verbunden.

Gleichzeitig wurde offen angesprochen, dass genau dieses Wissen nicht selbstverständlich weitergegeben wird. Oft bleibt es implizit und an Einzelpersonen gebunden. Umso wichtiger ist es, Strukturen zu schaffen, die einen bewussten Wissenstransfer ermöglichen. Ein entscheidender Baustein dafür ist eine gelebte Fehlerkultur: Nur wenn Erfahrungen, positive und auch negative, offen geteilt werden können, entsteht nachhaltiges Lernen.

Führung im Alltag wirksam gestalten

In der abschließenden Gruppenarbeit wurde der Schwerpunkt auf die Praxis gelegt: Wie können Ortsfeuerwehrkommandanten im Umgang mit generationenbedingten Spannungen bestmöglich unterstützt werden? Die Antworten waren klar und praxisnah – frühzeitige Gespräche, aktives Zuhören, klare Kommunikation und eine vertrauensvolle Atmosphäre bilden die Grundlage für funktionierende Zusammenarbeit. Gleichzeitig wurde auch die steigende Belastung vieler Funktionäre thematisiert, die zunehmend gefordert sind, unterschiedliche Erwartungen unter einen Hut zu bringen.

Der erste Seminartag klang in kameradschaftlicher Atmosphäre aus, beim gemeinsamen Abend bot sich Raum für persönlichen Austausch und Gespräche abseits des Programms. In diesem Rahmen wurde auch Rudolf Robin herzlich zum Geburtstag gratuliert.

Gemeinsames Verständnis als Schlüssel

Das abschließende Resümee der Landesfeuerwehrkommandanten und ihrer Stellvertreter machte deutlich: Die Zukunft der Feuerwehren entscheidet sich nicht allein an Technik oder Organisation, sie entscheidet sich vor allem an der Qualität der Führung.

Das Seminar hat eindrucksvoll gezeigt, dass „Generationen“ weit mehr sind als Altersgruppen. Es geht um unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen und Zugänge und darum, diese bewusst zu verstehen und miteinander zu verbinden.

Die zentrale Erkenntnis lässt sich klar zusammenfassen: Erfolgreiche Führung heute braucht vor allem echtes Verständnis für Menschen. Genau dieses Verständnis wurde an diesen beiden Tagen nicht nur diskutiert, sondern aktiv gelebt.

Fotos: BFR Thomas Meier, MA