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Verantwortung endet nicht am Werkszaun

Spannende Einblicke zum Thema „Chemische Stoffe im Schadensfall“ erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der heurigen Fachtagung des Fachverbandes der chemischen Industrie im neuen Feuerwehr Informations- und Veranstaltungszentrum (F-VIZ).

Der Fachverband der chemischen Industrie engagiert sich aktiv in der fortlaufenden Weiterentwicklung der gefahrgutrechtlichen Regelungen mit dem Ziel, die Transportsicherheit zu optimieren. In regelmäßigen Abständen werden die rechtlichen Rahmenbedingungen auf internationaler Ebene geändert und dann für die unterschiedlichen Transportwege in den verkehrsträgerspezifischen Vorschriften verankert.

    Verantwortung endet nicht am Werkszaun

    Sollten - trotz aller Bemühungen - dennoch Zwischenfälle beim Gefahrguttransport passieren, kommt "TUIS" zu Hilfe.

     Diese Abkürzung steht für das Transport - Unfall - Informations- und Hilfeleistungssystem der österreichischen chemischen Industrie, das Fachwissen und Hilfe bei Transportunfällen mit chemischen Produkten rund um die Uhr anbietet.

    TUIS wurde in Österreich im Jahr 1984 gegründet, heute ist es auch ein Teil des westeuropäischen Hilfeleistungssystems „International Chemical Environment" (ICE).

     Neben der TUIS Datenbank und dem TUIS Handbuch umfasst das Hilfeleistungspaket von TUIS

    • Sachkenntnisdaten über Produkte, deren Transport und deren Entsorgung
    • Erfahrungen aus der Praxis und Unterstützung bei der Vermeidung von Unfällen
    • Beseitigung sowie Begrenzung von Unfall-Folgeschäden mit Spezialgeräten

    Die jährliche Tagung der Kärntner Betriebsfeuerwehren wurde dieses Jahr dazu genutzt, um den Führungskräften einen breiten Einblick über die Möglichkeiten der Gefahrenabwehr bei einem Schadstoffunfall zu bieten.

    Nach den Grußworten von Landesfeuerwehrkommandant VPräs. LBD Ing. Rudolf Robin und dem Leiter der Landesfeuerwehrschule Kärnten BFR Ing. Klaus Tschabuschnig startete die interessante Fachtagung in Klagenfurt.

     

    TUIS Austria ein Update

    Mit einem kurzen Überblick über TUIS in Österreich startet ABI Patrick Kaltenböck vom Chemiepark Linz den ersten Themenblock und referierte über die TUIS-Struktur in Österreich, die Einsatzzahlen der letzten Jahre und über die Zusammenarbeit in Europa.

    Die erste Tagungseinheit endete mit einem spannenden Blick auf die Einsätze der letzten Jahre, den Herausforderungen, die sie mit sich brachten, und der engen Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren und den TUIS-Spezialisten.

    Wie wirken eigentlich Gefahrstoffe in Tunnelanlagen?

    ABI Ing. Gerhard Schöpf von der Landesfeuerwehrschule Tirol gab einen spannenden Einblick zum Thema „Gefahrstoffe in Tunnelanlagen“. Er zeigte anhand von Versuchen, die gemeinsam mit mehreren Partnern im Tunneltrainingszentrum „Am Berg“ durchgeführt wurden, wie sich verschiedenste Stoffe bei einem Unfall verhalten und welche Gefahren für die Einsatzkräfte auftreten können.

    Des Weiteren identifizierte er die operativen Kernkonflikte, die bei Tunnelanlagen potenziell auftreten können, sowie die daraus resultierenden Entscheidungsprozesse von Führungskräften im Einsatzfall, welche maßgeblichen Einfluss auf die Effektivität der Einsatzbewältigung haben.

     

    Entscheidungsfindung in kritischen Einsatzsituationen

    Über das EMERDEC Projekt, ein Forschungsprojekt zwischen der Landesfeuerwehrschule Kärnten und der Universität Graz referierten BFR Ing. Klaus Tschabuschnig und Mag. Clemens Koenczoel.

    Das Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Mechanismen der Entscheidungsfindung zu entwickeln, den Einsatzkräfte müssen oft unter Zeitdruck und mit teilweise unvollständigen Informationen schnell Entscheidungen treffen, die potenziell lebensrettende Wirkung haben können. Meist sind einmal getroffene Entscheidungen im Feuerwehreinsatz nicht mehr rückgängig zu machen. Das geht mit einer hohen Belastung für die Führungskräfte einher.

    EMERDEC untersucht die Grundlagen der Entscheidungsfindung in einem in dieser Form noch nie dagewesenen Forschungsprojekt und arbeitet an der Zukunftsvision, diesen Prozess zu verbessern und das Treffen von Entscheidungen zu erleichtern.

     

    Das Notfallmanagement und die Gefahren im ÖBB-Gleisbereich

    Wissenswertes zum Thema „Der Einsatz im Gleisbereich“ gab es vom Sicherheitsbeauftragten der ÖBB Hannes Schoitsch, welcher über die modernisierte Betriebsführung der Österreichischen Bundesbahnen, deren Notfallmanagement und die Gefahren welche auf Einsatzkräfte im Bahnbetrieb zukommen könnten, berichtete.

    Durch die Modernisierung des Bahnnetzes, der Zuggarnituren und den damit verbundenen höheren Geschwindigkeiten, welche auf den Gleisanlagen gefahren werden können, steigt auch die Gefahr für die Einsatzkräfte im Gleisbereich. Auch das Thema des Transportes von Gefahrengut (RID) war Teil des Vortrags und rundete den informativen Themenblock ab.

     

    TUIS in der Praxis – Möglichkeiten und Grenzen

    Wissenswertes aus der Praxis gab es im nächsten Vortrag von Vincenzo Bucci der Werksfeuerwehr Wacker Chemie AG, einer der größten Chemiestandorte in Bayern, direkt im österreichischen Grenzgebiet.

    Die Wacker Chemie AG in Burghausen ein führender Chemiestandort in Bayern, produziert verschiedenste Gefahrenstoffe für die Produktion von unterschiedlichsten Produkten und hat ein enormes Gefahrenpotenzial. Die dort ansässigen Mitarbeiter der Werksfeuerwehr sind Spezialisten auf ihrem Gebiet und kommen bei verschiedensten Schadensfällen im und außerhalb des Werksgeländes zum Einsatz.

    Um diesem Gefährdungspotenzial herzu werden, stehen den knapp 80 hauptamtlichen Mitglieder der Werksfeuerwehr ein umfangreiches Einsatzequipment zur Verfügung, welches auch im Rahmen der ICE (International Chemical Environment) weit über das Bundesland Bayern zum Einsatz kommt.

    Und dass der Zeitfaktor, die richtige Kommunikation, ein wesentlicher Bestandteil ist und maßgeblich zum Einsatzerfolg beiträgt, zeigten einige Berichte über Einsätze der letzten Jahre.

     

    TUIS in Kärnten – welche Partner können hier helfen?

    Mit der Donau Chemie AG in Brückl und der Evonik Peroxid GmbH in Weißenstein verfügt das Bundesland Kärnten auch über zwei TUIS Partner, welche von Lukas Schuh, MSc. von der Donau Chemie und OBR Michael Krainer von der Evonik Peroxid GmbH präsentiert wurden.

    Die Donau Chemie, mit ihrem Standort im Görtschitztal in Brückl, produziert mittels Membranelektrolyse aus Wasser, Salz und Strom eine Vielzahl von chemischen Produkten, welche in unterschiedlichen Bereichen und Anwendungen zum Einsatz kommen.

    Bei der Evonik Peroxid GmbH mit ihrem Produktionsstandort im Unteren Drautal in Weißenstein, einst als erste Wasserstoffperoxidfabrik der Welt erbaut, produziert man in Weißenstein diese Chemikalien bis heute. Das sogenannte „Weißensteiner-Verfahren“, das nach diesem Standort benannte elektrolytische Verfahren zur Herstellung von Wasserstoffperoxid, war die weltweit erste Technologie zur Herstellung von Wasserstoffperoxid in industriellem Maßstab.

    Auch diese beiden TUIS-Partner stehen bei einem Schadensfall mit Rat und Tat zur Stelle und unterstreichen den Leitsatz, dass bei chemischen Betrieben die Verantwortung zum Produkt nicht am Werkszaun endet.

     

    Spezialisten brauchen Spezialgeräte und viel Fachwissen

    Bei einer Präsentation von speziellen für den Chemieeinsatz entwickelten Gerätschaften und Fahrzeugen ging ein sehr interessanter und wissenswerter Schulungstag an der Landesfeuerwehrschule Kärnten wieder einmal viel zu schnell zu Ende.

    Seitens des Vorsitzenden der Kärntner Betriebsfeuerwehren OBR Michael Krainer, gilt es allen, die zum Gelingen der Veranstaltung ihren Beitrag geleistet haben, einen herzlichen Dank auszusprechen.

    Im Besonderen der Landesfeuerwehrschule Kärnten mit Schulleiter BFR Ing. Klaus Tschabuschnig, allen aus Fern und Nah angereisten Vortragenden dieser Fachtagung und Herrn Dr. Christian Gründling vom FCIO - Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs, die mit ihrem Einsatz im Sinne von Mensch und Umwelt, die Möglichkeit geschaffen haben, diese Fachtagung in unserem Bundesland durchzuführen.

    Bericht und Photos: BI Martin Sticker - ÖA der Kärntner Betriebsfeuerwehren